Alle Dörfer bleiben

Keyenberg

„Das Herz verlässt nie einen Ort, an dem es hängt.“

Keyenberg ist das nächste Dorf, das im Raum Garzweiler dem Tagebau zum Opfer fallen soll. 2023 sollen die Bagger kommen, wenn es nach den Wirtschaftsinteressen von RWE geht – doch der Widerstand regt sich weit über die Region hinaus.

Das Dorf ist über 1100 Jahre alt und wird erstmalig im Jahre 893 urkundlich erwähnt („cheyenburghc“). Es liegt in der Niersniederung. Aufgrund der Quellnähe und des fruchtbaren Ackerbodens gab es hier vermutlich schon weit vor der Römerzeit erste Siedlungen. Auch heute noch prägt die Landwirtschaft das Bild der Region – die außerordentlich wertvollen und ertragreichen Lössböden sind in Deutschland wie in Europa selten zu finden.

Innerhalb der dörflichen Gemeinschaft gibt es ein reges und geselliges Vereinsleben. Über Schützenfest, Karnevalsfest mit Umzug und Dorffesten werden die Traditionen hochgehalten und weitergegeben.
2017 lebten in Keyenberg noch etwa 850 Menschen, aber RWE treibt die Umsiedlungen in zunehmendem Tempo voran. Grundschule und Kindergarten, die Keyenberg heute beleben, wird es im neuen Ort nicht mehr geben.

Doch der lokale Widerstand in Keyenberg wächst und das Dorf macht auch überregional von sich hören. Petitionen wurden gestartet und Wald- und Dorfspaziergänge in der Tradition des Protests am Hambacher Wald bringen hunderte Menschen zusammen, die ihre Solidarität mit den Keyenberger*innen bekunden. Häuser und Gutshöfe, Wald und Kultur sind für die Menschen vor Ort unersetzlich und werden nicht einfach so aufgegeben werden.

In Keyenberg wurde eine der ersten Kirchen im Erkelenzer Land errichtet. Unterschiedliche Baustile prägen das Bild der Kirche – über Spätgotik, Barock bis hin zur Neugotik. Die Ausstattung ist neogotisch, mit einem wertvollen Hochaltar und einem reliefartigen Kreuzweg. Die älteste der drei mächtigen Glocken, deren Klang durch die Gemeinschaft hallt, ist über 500 Jahre alt. Der Kirchturm wurde mit Spenden der Keyenberger Bürger*innen in den Jahren 1912 bis 1913 erweitert. Die Keyenberger Heilig Kreuz Kirche ist ein denkmalgeschütztes Bauwerk und die Initiative „Die Kirchen im Dorf lassen“ kämpft dafür, sie zu erhalten.