Alle Dörfer bleiben

Pressemitteilungen

Erkelenz. Um gegen die Zerstörung von Dörfern für den Braunkohleabbau zu demonstrieren, ruft die Initiative „Alle Dörfer Bleiben!“ am 23. März zu einem Sternmarsch aus den Dörfern am Tagebau Garzweiler in den akut bedrohten Ort Keyenberg auf. Zur Veranstaltung werden mehrere tausend Teilnehmende aus ganz Deutschland erwartet.

„Mit der Aktion setzen wir uns für den Erhalt aller Dörfer ein. Hier in der Region sind Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath bedroht. Es kann nicht sein, dass trotz des Klimawandels immer noch Orte für die Kohle abgebaggert werden. Wir setzen uns gemeinsam und entschlossen für den Erhalt aller Dörfer ein. Wir rufen die Menschen auf, sich mit uns schützend vor die Häuser zu stellen.“ so Barbara Ziemann-Oberherr aus Keyenberg.

Ab 14 Uhr starten am Samstag Demonstrationszüge von verschiedenen Orten im Raum Garzweiler und treffen sternförmig in Keyenberg zusammen. Dort findet eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen von Tagebaubetroffenen, dem ehemaligen Mitglied der Kohlekommission Antje Grothus sowie Schülerinnen und Schülern von Fridays for Future statt. Weitere Programmpunkte sind das Musik-Ensemble „Beets’n’Berries“ aus der Region und eine Ausstellung zu Umsiedlungen und dem lokalem Widerstand. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Mit der Aktion soll auch die schwierige soziale Situation für die Menschen vor Ort thematisiert werden. „Die drohende Abbaggerung ist ein extrem schmerzhafter Prozess für uns. RWE provoziert hier mit gezielten Aktionen eine soziale Spaltung und macht uns das Leben schwer. Wir fordern, dass alle Orte erhalten und lebenswert bleiben, aber die Menschen, die umsiedeln möchten, sollen weiterhin gehen können, ohne einen Nachteil zu haben.“ so Barbara Ziemann-Oberherr weiter.

Ähnlichen Situationen sind auch Menschen im Leipziger Revier und in der Lausitz ausgesetzt. In Pödelwitz und Mühlrose schaffen Mibrag und LEAG bereits Fakten, ohne eine Abbaugenehmigung. Aus beiden Revieren reisen Betroffene an, um sich solidarisch zu zeigen. „Ich bin aus der Lausitz hergekommen, um heute mit den Rheinländer*innen für den Erhalt unserer Dörfer zu streiten. Wenn wir etwas bewegen wollen, können wir das nur gemeinsam. Mir geht es auch darum beteiligt zu werden, wenn über die Zukunft der Regionen verhandelt wird. Wir müssen vermeiden, dass nochmal ein Konzern so viel Macht bekommt, stattdessen brauchen wir vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort.“ so Adrian Rinnert aus der Lausitz.

„Alle Dörfer Bleiben!“ ist eine bundesweite Initiative, in der sich Betroffene aller Braunkohle-Reviere mit Aktiven aus der Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung einsetzen. „Für uns bedeutet Klimagerechtigkeit, dass keine Menschen für die Profite von Konzernen ihr Zuhause verlieren. Weder hier durch die Tagebaue, noch in anderen Teilen der Welt, wo die Folgen des Klimawandels die Lebensgrundlagen der Leute zerstören. Immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Zustände: Die Betroffenen der Tagebaue kämpfen dafür, dass ihre Dörfer bleiben und seit Monaten streiken auf der ganzen Welt hunderttausende Schüler*innen für das Klima. Das macht mir Hoffnung.“ erklärt Christopher Laumanns von „Alle Dörfer Bleiben!“.

In den nächsten Monaten sind in allen drei Revieren weitere Aktionen geplant. Informationen zu „Alle Dörfer Bleiben!“ und den weiteren Aktivitäten finden sich unter www.alle-doerfer-bleiben.de.

Auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Klima-Allianz Deutschland, der BUND, 350.org und Greenpeace unterstützen die Anliegen der betroffenen Menschen und rufen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, den Sternmarsch zu unterstützen.

Pressekontakte:

Für allgemeine Fragen zum Sternmarsch und dem Bündnis „Alle Dörfer Bleiben!“:
Christopher Laumanns: +49 1577 3395845
presse@alle-doerfer-bleiben.de

Barbara Ziemann-Oberherr (Keyenberg):  +49 171 9969455
Adrian Rinnert (Lausitz): +49 35727579341

www.alle-doerfer-bleiben.de/aktionen/sternmarsch
www.twitter.com/AlleDoerfer
www.flickr.com/photos/164655810@N04/
www.youtube.com/channel/UCJxEuppBPqfpGZ5vrRQE_eA/

Erkelenz. Um gegen die Abbaggerung der Dörfer zu kämpfen, ruft das Bündnis „Alle Dörfer bleiben!“ am 23. März zu einem Sternmarsch aus den Dörfern im Raum Garzweiler in das akut bedrohte Keyenberg auf. Zur Veranstaltung wird bundesweit mobilisiert. Es wird mit mehreren tausend Menschen gerechnet. In Vorbereitung auf diese Aktion lädt das Bündnis am Samstag, den 16.02. ab 13 Uhr zum Kennenlernen und Schilder Basteln ins Pfarrhaus nach Holzweiler ein.

Durch die von der Kohlekommission empfohlenen Abschaltungen von Braunkohlekraftwerken im Rheinland könnten sowohl der Hambacher Wald als auch die Dörfer am Tagebau Garzweiler erhalten bleiben, zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dennoch bleibt die Zukunft unklar, genau wie in den Dörfern Proschim in der Lausitz und Pödelwitz im Leipziger Land, die auch Teil des Bündnisses sind. Die Kommission fordert die Landesregierungen zu einem Dialog mit der Bevölkerung auf. „Wir schweben weiter in Unsicherheit, ob wir aus unseren Häusern müssen oder bleiben können. Wir fordern von der Landesregierung NRW eine Garantie, dass alle Dörfer bleiben – denn das ist aufgrund des Berichts der Kohlekommission möglich“ so David Dresen aus Kuckum. „Braunkohle ist ein Energieträger von Vorgestern – dafür kann man uns doch nicht unsere Heimat und unsere Zukunft nehmen!“

„Dass RWE in den letzten Wochen die Abrissarbeiten und Rodungen vorantreibt, obwohl die Dörfer eigentlich bleiben könnten und es einen Dialogprozess geben soll, empfinden wir als Provokation. Wir sind traurig und wütend darüber, wie mit uns umgegangen wird. Um die Dörfer zu retten brauchen wir Unterstützung. Wir rufen die Menschen auf, am 23. März zum Sternmarsch zu kommen und sich – ähnlich wie im vergangenen Sommer am Hambacher Wald – nun schützend vor die Dörfer zu stellen“ so David Dresen weiter.

Die Vorbereitungen für den Sternmarsch laufen daher auf Hochtouren, am kommenden Samstag um 13 Uhr sollen im Pfarrhaus in Holzweiler Schilder gebastelt und weiter geplant werden. „Wir würden uns sehr freuen, neue Menschen aus den Dörfern, aus Erkelenz und der Umgebung zu sehen“, sagt Dorothée Laumanns aus Berverath. „Am Samstag gibt es Zeit für Austausch. Uns ist es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen. Egal, ob schon umgesiedelt wird oder die Leute bis zum Ende kämpfen wollen, alle sind willkommen.“

Aus Kaulhausen, Wanlo, Holzweiler, Berverath, Kuckum/Unterwestrich und Erkelenz zieht der Sternmarsch am 23. März nach Keyenberg, dem Dorf, das nach den Plänen von RWE als nächstes abgebaggert werden soll. „Mit dem Sternmarsch machen wir eine breite Öffentlichkeit auf das Unrecht aufmerksam, das hier geschieht: Menschen werden zwangsumgesiedelt für dem Abbau von klimaschädlicher Braunkohle. Und die Folgen des Klimawandels tragen vor allem auch diejenigen, die wenig dazu beigetragen haben: Menschen im globalen Süden und zukünftige Generationen. Wir solidarisieren uns als Bündnis mit den Schüler*innen von Fridays for future, die für das Klima und unser aller Zukunft kämpfen.“ erklärt Dorothée Laumanns weiter.

Seit Monaten streiken in zahlreichen europäischen Ländern jeden Freitag zehntausende Schüler*innen für Klimagerechtigkeit. Sie fordern ein sofortiges Handeln, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Auch in Erkelenz wollen am 22. Februar Schüler*innen streiken.

Kontakt
Dorothée Laumanns (Berverath): +49 176 20327104
David Dresen (Kuckum): +49 1782334959
Jens Hausner (Pödelwitz): +49 342 9648912
Johanna Winter (Klimagerechtigkeitsbewegung): +49 1578 4697207

„Alle Dörfer bleiben“ ist ein deutschlandweites Bündnis, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Informationen zum Bündnis gibt es unter www.alle-doerfer-bleiben.de

Kuckum. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ ruft für Montag, den 4. Februar um 8 Uhr zu einer Mahnwache im Bereich der Rodungen am Keyenberger und Kuckumer Wald auf. Ziel ist es, die Baumfällarbeiten zu stoppen, die einem Straßenbau durch RWE dienen sollen. Der Kohlekonzern hatte vergangenen Mittwoch mit Rodungen für eine Straße begonnen, die frühestens im Jahr 2027 und nur für den Fall benötigt wird, dass noch weitere Dörfer für den Tagebau umgesiedelt werden. Die Umsiedlungen sind nach den Ergebnissen der Kohlekommission nicht mehr nötig. Das Bündnis wirft RWE vor, das Leben vor Ort „zur Hölle“ zu machen, um die Menschen zur Umsiedlung zu treiben.

„Wir nehmen diese Schikanen durch RWE nicht länger hin!“, sagt Martina Himmelreich aus Keyenberg. „Diese Rodungen sollen uns doch bloß zeigen, dass RWE sich nicht an die Ergebnisse der Kohlekommission halten wird und unsere Dörfer verschwinden sollen. Die haben seit vier Jahren eine Genehmigung, bräuchten die Straße erst in neun Jahren, und fangen ausgerechnet jetzt an, hier Bäume zu fällen und unsere Natur zu asphaltieren?“. Die Straße würde nur benötigt, wenn die Dörfer Keyenberg, Unterwestrich und Kuckum vollständig zerstört würden.

Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ stellt sich mit der Mahnwache den Rodungen in den Weg und will das Faktenschaffen durch RWE verhindern. „RWE muss gestoppt werden!“, so David Dresen aus Kuckum. „Und wenn die Landesregierung diese Zerstörung von Natur und Dörfern nicht verhindert, dann nehmen wir das selbst in die Hand! Kommt zur Mahnwache und unterstützt uns, damit alle Dörfer bleiben!“

Anfahrt und Kontakt
Pressevertreter*innen sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Die Koordinaten für die Anfahrt zur Mahnwache sind 51.089538, 6.403825, Kuckumer Straße, 41189 Mönchengladbach.

Martina Himmelreich, Keyenberg: 0172 2882880
David Dresen, Kuckum: 0178 2334959

„Alle Dörfer bleiben“ ist ein deutschlandweites Bündnis, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Informationen zum Bündnis gibt es unter www.alle-doerfer-bleiben.de

Erkelenz. Während noch über die Bedeutung des Ergebnisses der Kohlekommission gestritten wird, versucht der Kohlekonzern RWE in von Abbaggerung bedrohten Ortschaften im Rheinischen Revier möglichst schnell Fakten zu schaffen: Derzeit schlägt das Unternehmen eine breite Schneise in einen Wald nahe des Dorfes Kuckum am Braunkohle-Tagebau Garzweiler. RWE beabsichtigt dort eine Umgehungsstraße zu bauen, die frühestens in acht Jahren gebraucht wird, und das nur für den Fall, dass die Garzweiler-Dörfer tatsächlich dem Tagebau zum Opfer fallen, was laut einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung durch das Ergebnis der Kohlekommission unnötig ist.

Im ebenfalls bedrohten Keyenberg bohrt der Konzern Pumpen für den Tagebau direkt neben Wohnhäusern, unter dauerhafter Lärm-, Licht- und Schmutzbelästigung. Die Lichtbelästigung in Keyenberg hat nicht nur durch das Bohren der Pumpen einen neuen Höhepunkt erreicht, hinzu kommt dass ein Bagger des Tagebaus Garzweiler so nah am Dorf steht, dass er Wohnhäuser die ganze Nacht hindurch beleuchtet. Bereits am Donnerstag hatte RWE rechtswidrig auf Eigentumsflächen von Dorfbewohnern teilweise lange Gräben und Wälle gezogen. Erst nach Einschalten eines Anwalts stoppte der Konzern die Arbeiten und behauptet, dass es sich um ein Versehen handelte.

„RWE macht uns das Leben zur Hölle! So wollen sie bewirken, dass wir frustriert aufgeben. Aber wir kämpfen weiter und fordern alle Menschen auf, uns zu unterstützen!“ so David Dresen aus Kuckum. „Zudem fordern wir die Landesregierung auf, RWE zu stoppen.“ ergänzt Britta Kox aus dem ebenfalls bedrohten Dorf Berverath.

Antje Gerlach aus Holzweiler, einem Dorf, dem Grubenrandlage droht, schildert ihre Gefühlslage: „Ich bin entsetzt, wütend und traurig darüber, wie mit uns Menschen in den vom Tagebau betroffenen Dörfern umgegangen wird. RWE wird der Kohleausstieg vergoldet und trotzdem zerstören sie weiter und rasend schnell unsere Heimat.“

Auch im Braunkohlerevier des Leipziger Landes müssen die Menschen weiter um ihre Zukunft bangen: „Die sächsische Landesregierung versteht die Ausstiegspläne der Kohlekommission als Einstiegspläne und diskutiert im Landtag allen Ernstes Tagebauerweiterungen, denen die Dörfer Pödelwitz und Obertitz weichen müssten. Das ist ein schlechter Witz und zeigt, wie unzureichend die Ergebnisse der Kommission sind.“ so Thilo Kraneis aus dem bedrohten Pödelwitz.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat errechnet, dass die erschlossenen Kohlemengen in den Tagebauen Garzweiler II und Hambach im Rheinland ausreichen, ohne dass Dörfer zerstört werden. Der Beschluss der Kohlekommission zu einer Reduzierung der Kraftwerksleistung um 3,1 GW Braunkohle bis 2022 macht diese Rettung möglich. In der Studie des DIW sind zudem Mindestabstände der Dörfer zur Tagebaugrenze von 1500 Metern einberechnet. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ fordert, dass diese Mindestabstände eingehalten werden.

Kontakt und Hintergrundinformationen

Britta Kox, Berverath: 0152 34330377
David Dresen, Kuckum: 0178 2334959
Allgemeine Fragen zum Bündnis „Alle Dörfer bleiben“: Christopher Laumanns 01577 3395845
DIW-Studie: https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.612245.de

„Alle Dörfer bleiben“ ist ein deutschlandweites Bündnis, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Informationen zum Bündnis gibt es unter www.alle-doerfer-bleiben.de

Erkelenz. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ verurteilt das am Samstag bekannt gewordene Ergebnis der Kohlekommission scharf. Im Abschlussbericht der Kommission werden der Bundesregierung Milliardenzahlungen an die Kohlekonzerne empfohlen, aber die Zukunft der von Abbaggerung bedrohten Dörfer bleibt ungewiss und die Klimaziele von Paris werden weit verfehlt. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“, in dem vom Kohleabbau betroffene Menschen aller drei deutschen Braunkohlereviere aktiv sind, fordert ein sofortiges Moratorium für Zwangsumsiedlungen sowie eine Garantie der Landesregierungen, dass die Dörfer stehen bleiben werden. In den kommenden Monaten ruft das Bündnis zu großen Protesten auf.

„Aus Sicht der Dörfer ist die Kohlekommission gescheitert“, so Marita Dresen aus Kuckum im Rheinland. „Wir sind verzweifelt und wütend. Wir harren hier schon so lange in Unsicherheit, und jetzt kommt nach all den Verhandlungen bloß raus, dass die Landesregierungen ,gebeten‘ werden mit uns ,in einen Dialog zu treten, um soziale Härten zu vermeiden‘? Dass selbst die NGOs das Ergebnis als ,Einstieg in den Ausstieg‘ feiern, ist uns unbegreiflich. Für uns steht weiterhin alles auf dem Spiel.“ Jens Hausner aus Pödelwitz im Leipziger Revier ergänzt: „Wir müssen weiter bangen, während die Kohlekonzerne in unseren Regionen die Zerstörung vorantreiben und dafür auch noch Milliarden von der Regierung bekommen sollen. Aber wir werden uns dem gemeinsam mit der Klimabewegung in den Weg stellen!“

Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ fordert die Landesregierungen der Kohlereviere auf, ein Moratorium für alle Zwangsumsiedlungen und unerwünschte Vorbereitungsmaßnahmen zu verhängen. „Jeden Tag schafft RWE hier im Rheinland Tatsachen, reißt Infrastruktur ab, setzt Familien unter Druck und treibt einen Keil in die Dorfgemeinschaft. Das geschieht systematisch nach dem Motto, ‚wer nichts mehr hat, will auch nicht bleiben‘. Aber gerade jetzt werden wir bleiben! Wir wissen, dass es eine Chance gibt und wir werden um sie kämpfen“, sagt David Dresen, Sprecher des Bündnisses aus dem Rheinland. Er verweist damit auf eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), welches errechnet hat, dass die Kohlemengen in den Tagebauen Garzweiler II und Hambach ausreichen, ohne dass Dörfer zerstört werden müssen. Der Beschluss der Kohlekommission zu einer Reduzierung der Kraftwerksleistung um 3,1 GW Braunkohle bis 2022 macht diese Rettung möglich. In der Studie des DIW sind zudem Mindestabstände der Dörfer zur Tagebaugrenze von 1500 Metern einberechnet. Das Bündnis fordert, dass diese Mindestabstände eingehalten werden.

„Uns bleibt jetzt nichts anderes übrig, als auf die Straße zu gehen“, so David Dresen. „Wir wurden von der Politik alleingelassen. Wir fordern alle auf, die für den Erhalt des Hambacher Waldes demonstrieren gegangen sind, sich jetzt für die Dörfer einzusetzen. Wir stehen unter enormem Druck und wir brauchen Hilfe.“ Am 23. März ruft das Bündnis im Rheinland zum „Sternmarsch“ auf, am 30. März zum Waldspaziergang in der Lausitz, wo das Dorf Proschim weiterhin bedroht ist. „Wir sind viele, und wir werden noch viel mehr, und wir werden uns schützend vor die Dörfer stellen“, so Johanna Winter aus der Klimagerechtigkeitsbewegung. „Das Kommissionsergebnis reicht weder für die Menschen in den Braunkohlerevieren, noch für den internationalen Klimaschutz. Wir geben nicht auf, bis alle Dörfer bleiben!“

Kontakt
Marita Dresen (Kuckum): +49 176 52100570
David Dresen (Kuckum): +49 1782334959
Jens Hausner (Pödelwitz): +49 342 9648912
Johanna Winter (Klimagerechtigkeitsbewegung): +49 1578 4697207

„Alle Dörfer bleiben“ ist ein deutschlandweites Bündnis, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Informationen zum Bündnis gibt es unter www.alle-doerfer-bleiben.de

Erkelenz. Anlässlich der Abschlussverhandlung der Kohlekommission betont das bundesweite Bündnis „Alle Dörfer bleiben“, dass eine sozialverträgliche Zwangsumsiedlung nicht möglich ist. Damit reagiert das Bündnis auf eine Veröffentlichung des Energiekonzerns RWE, laut der Umsiedlungen am Tagebau Garzweiler „sozialverträglich“ und im Interesse der Dorfgemeinschaft seien. Das Bündnis kritisiert diese Darstellung scharf und fordert den Erhalt aller vom Braunkohleabbau bedrohten Dörfer.

„RWE will gegen unseren Willen unseren Ort abreißen. Es ist nicht sozialverträglich, wenn seit Jahrzehnten gezielt Keile zwischen Nachbarn und Freunde getrieben werden, um Widerstand zu verhindern. Unsere Dorfgemeinschaft wird systematisch zerstört.“ sagt Britta Kox aus Berverath. Für ältere Menschen ist die Situation sogar lebensbedrohend: „Ich möchte lieber sterben als mit ansehen zu müssen, wie mein Haus, meine Heimat und meine gesamte Vergangenheit vernichtet werden.“ so Marlene Kopp (81) aus Kuckum.

Marita Dresen aus Kuckum fügt hinzu: „Unabhängig davon, dass ich mein Zuhause nicht aufgeben werde, ist es eine bodenlose Frechheit zu behaupten, die Umsiedlung sei in irgendeiner Weise sozialverträglich. Ich lebe mit meiner gesamten Familie auf einem 15.000qm großen Bauernhof, auf dem wir Hühner und Pferde halten. RWE bietet mir im neuen Ort ein winziges Grundstück mit max. 2.000qm und besitzt auch noch die Dreistigkeit zu behaupten, dass wir unsere Tiere ja wohl abschaffen könnten – es sei schließlich nur ein Hobby.“

Auch die Bewohner der Grubenranddörfer klagen über mangelnde Sozialverträglichkeit. „Die geplanten Tagebau-Abstände von 100m in Wanlo und 80m in Kaulhausen sind eine Zumutung. Die Anwohner sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einem Industriebetrieb ausgeliefert, für den es keinerlei Grenzwerte zu Lärm- und Lichtemissionen gibt. Immobilien erleiden einen immensen Wertverlust, denn wer will schon direkt neben so einem Drecksloch wohnen?“ fragt Birgit Cichy aus Wanlo.

„Zwangsumsiedlungen sind nicht sozialverträglich und das Weltklima verhandelt nicht. Deshalb darf die Kohlekommission – und insbesondere die Umweltverbände darin – nur dann Beschlüsse fassen, wenn sie den Pariser Klimazielen entsprechen sowie den Erhalt der bedrohten Dörfer, des Hambacher Waldes und deutlich höhere Abstände zu den Grubenranddörfern beinhalten.“ so Christopher Laumanns, der über die Klimagerechtigkeitsbewegung bei „Alle Dörfer bleiben“ aktiv ist.

Die Kritik von „Alle Dörfer bleiben“ wird untermauert durch das Urteil des OVG Münster zum Rodungsstopp im Hambacher Wald. Darin wurde festgehalten, dass weder RWE noch das Land NRW in der Lage sind darzulegen, dass die Braunkohleverstromung für die Energiesicherung Deutschlands überhaupt noch notwendig ist.

Pressekontakte
Britta Kox, Berverath: 0152 34330377
Marita Dresen, Kuckum: 0176 52100570
Birgit und Andreas Cichy, Wanlo: 02166 127228
Christopher Laumanns: 01577 3395845

Weitere Informationen
Statement von Kommissionsmitglied Antje Grothus zu dieser Pressemitteilung
Stellungnahme der „Interessengemeinschaft Umsiedlung“ zum Tätigkeitsbericht der Umsiedlungsbeauftragten des Landes NRW

Alle Dörfer bleiben“ ist ein deutschlandweites Bündnis, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Informationen zum Bündnis gibt es unter www.alle-doerfer-bleiben.de

Erkelenz. Das Bündnis „Alle Dörfer Bleiben“ und die Kampagne „Kirchen im Dorf lassen!“ rufen für Sonntag, den 6. Januar ab 9 Uhr zu einer Mahnwache vor der St.-Lambertus-Kirche in Erkelenz auf. Anlass ist der erste Jahrestag der Zerstörung des Immerather Doms, welcher am 8. Januar 2018 vom Energiekonzern RWE abgerissen wurde. Sie protestieren damit auch gegen den Abriss weiterer Kirchen und Dörfer, die in den nächsten Jahren den Braunkohle-Tagebauen zum Opfer fallen sollen. Für die kommenden Monate sind weitere Protestveranstaltungen angekündigt.

„Über den Abriss der Kirchen in Keyenberg und Kuckum und der Kapelle in Berverath wird hier in der Pfarre in Erkelenz entschieden“, sagt Birgit Cichy vom Bündnis Alle Dörfer Bleiben. „Und deshalb werden wir Sonntag zur Messe auch dort protestieren, denn die Pfarre muss Verkauf und Entwidmung der Gotteshäuser stoppen. Wir bitten die Gemeindemitglieder, uns zu unterstützen, unsere Petition zu unterzeichnen und auf Bischof Dr. Dieser sowie Pfarrer Rombach einzuwirken, den entsprechenden Anträgen nicht zuzustimmen.“

„Die Kirchen sind Mittelpunkt der Dörfer. Seit Jahrhunderten prägen sie das Ortsbild, sind zentraler Treffpunkt und sichern den sozialen Zusammenhalt. Ihre Zerstörung trifft uns ins Herz. Viele Menschen aus den umliegenden Dörfern fahren nicht mehr nach Immerath, seit der Dom dort abgerissen wurde, sie ertragen den Anblick nicht. Es ist eine Schande, wie die Braunkohle unsere Gemeinden auseinander reißt. Wir sollen nicht nur unsere Häuser verlieren, sondern auch unsere Geschichte und Identität. Und das alles nur für die Profite von RWE“, beschreibt David Dresen aus Kuckum.

Im Anschluss an die Protestaktion mit Redebeiträgen und Gesang soll ein Trauerkranz niedergelegt werden, dazu wird über Lautsprecher das Vollgeläut des Immerather Doms erklingen.

Die Kampagne „Kirchen im Dorf lassen“ hatte sich als Reaktion auf den Abriss des Doms gegründet, um die verbleibenden Bauwerke in den von Abbaggerung bedrohten Dörfern zu schützen. Mit einer Petition appelliert sie an die katholische Kirche, den Verkauf und die Entwidmung der Kirchen zu verweigern. So könnten sich die Prozesse zum Abriss der Dörfer verlangsamen und auch auf etwaige Ergebnisse der Kohlekommission in Berlin gewartet werden. „Kirchen im Dorf lassen“ wird unterstützt von den Katholikenräten der Regionen Düren und Mönchengladbach, dem Institut für Theologie und Politik, dem Diözesanrat im Bistum Aachen sowie der Initiative „Kreativ gegen Kohle“. Der Apell ist keine Online-Petition mit gigantischen Unterschriftenzahlen. 1.653 Unterschriften haben die Aktiven bis jetzt in Handarbeit gesammelt. Weder der Bischof von Aachen noch der Erzbischof waren bisher bereit, diese Unterschriften persönlich entgegenzunehmen.

Der Widerstand am Tagebau Garzweiler gegen den Abbau der Braunkohle und die Zerstörung von Dörfern, Wäldern und Kirchen für die Wirtschaftsinteressen des Kohlekonzerns RWE wächst. Anfang Dezember gründeten Anwohnende der Dörfer, die von Zwangsumsiedlung für den Braunkohleabbau sowie Grubenrandlage betroffen sind, das überregionale Bündnis „Alle Dörfer Bleiben“. Gemeinsam wollen die Menschen aus den drei deutschen Braunkohlerevieren Rheinland, Lausitz und Leipziger Land mit Aktiven aus der Klimagerechtigkeitsbewegung für den Erhalt ihrer Dörfer kämpfen

Als nächste große Protestaktion ist am Samstag, den 23. März ein Sternmarsch im Gebiet Garzweiler geplant. Startpunkte sind Erkelenz sowie die von Zerstörung oder Grubenrandlage bedrohten Ortschaften Kuckum, Berverath, Wanlo, Holzweiler und Kaulhausen. Ziel ist Keyenberg, das als nächstes dem Tagebau weichen soll. „Wir werden zusammenkommen und uns schützend vor Keyenberg stellen“, so Johanna Winter aus der Klimagerechtigkeitsbewegung. „Unsere Proteste sind ein Zeichen, dass kein Dorf alleine gelassen wird und wir Zwangsumsiedlung und Zerstörung nicht mehr geschehen lassen werden.“

Pressekontakte und weitere Informationen

Vom Braunkohle-Bergbau Betroffene:
David Dresen (Kuckum): +49 1782334959
Birgit Cichy (Wanlo): +49 2166-127228

Aus der Klimagerechtigkeitsbewegung:
Johanna Winter: +49 1578 4697207

Webseite „Kirchen im Dorf lassen“ mit Unterschriftenlisten zum Download

Keyenberg, Pödelwitz, Proschim. „Alle Dörfer bleiben!“, so lautet der Name und die zentrale Forderung des neuen, deutschlandweiten Bündnisses, in dem Betroffene aller Braunkohle-Reviere und die Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung kämpfen. Noch während der Verhandlungen der Kohlekommission in Berlin kündigen sie an, gemeinsam für den Erhalt aller Dörfer und Siedlungen in den drei Braunkohleregionen Rheinland, Leipziger Land und Lausitz einzutreten.

Wir schließen uns zusammen, tragen unseren Protest auf die Straßen und setzen uns dafür ein, dass unsere Dörfer lebenswert bleiben, statt für den Braunkohleabbau zerstört zu werden“, so David Dresen aus Kuckum im Rheinland. Karin Noack aus Proschim in der Lausitz ergänzt: „Unsere Dörfer sind über Jahrhunderte gewachsen und können nicht ersetzt werden. Schon jetzt bürden wir den nächsten Generationen mit den Folgen der Braunkohle eine Menge auf. Jetzt noch weitere Dörfer zu zerstören ist nicht akzeptabel.“ Jens Hausner, Tagebau-Betroffener aus dem sächsischen Pödelwitz weiter: „Sogar die Kirchen werden abgerissen, und die Bauern verlieren ihre Höfe. Und all das nur, damit die Kohlekonzerne mehr Gewinn machen. Es reicht, wir nehmen das nicht hin. Wir kämpfen mit den Menschen in den anderen Revieren dafür, dass alle Dörfer bleiben.“

Für die nächsten Wochen und Monate sind Protestaktionen und eine Stärkung der Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen und Gruppen in den Braunkohlerevieren geplant. Am 1. Dezember wird das Bündnis bei den Demonstrationen für einen Kohleausstieg in Köln und Berlin vertreten sein und am 23. März 2019 lädt „Alle Dörfer bleiben!“ zu einem Sternmarsch der Dörfer im Raum Garzweiler im Rheinland ein.

„Die Kohlekommission tagt derzeit in Berlin und hat die Möglichkeit, einen schnellen Ausstieg aus der Kohle zu beschließen, um die Dörfer und Landschaften zu schützen und zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze beizutragen“, so Johanna Winter, die in der Bewegung für Klimagerechtigkeit aktiv ist. „Doch die Industrie-Lobbyisten in der Kommission mauern. Bei einem schlechten Ergebnis sind sie verantwortlich für die Zerstörung von Wohnort, Gemeinschaft und Geschichte tausender weiterer Leute hier in Deutschland, und für die Vernichtung der Lebensgrundlagen von noch mehr Menschen in den Ländern des Globalen Südens, die heute schon die Folgen der Klimakatastrophe erfahren müssen.“

Das Bündnis geht aus einer Gruppe von Betroffenen des Tagebaus Garzweiler im Rheinland hervor, denen Zwangsumsiedlung oder Grubenrandlage drohen, sowie Aktiven der Bewegung für Klimagerechtigkeit. Die Gruppe hatte in Kooperation mit dem Klimacamp im August eine Veranstaltungsreihe rund um den lokalen Widerstand gegen die Braunkohle organisiert. Nach den erfolgreichen Protesten im Hambacher Wald initiierte sie gemeinsam mit dem Naturführer Michael Zobel, der in den vergangenen Jahren zigtausende Menschen durch den Wald führte, die „Dorf- und Waldspaziergänge“ im Raum Garzweiler. Bereits am ersten Termin im Oktober kamen nach kurzfristiger Ankündigung über 900 Menschen in das von der Abbaggerung bedrohte Keyenberg.

Auch im Leipziger Revier rund um das Dorf Pödelwitz hat sich im letzten Jahr der Widerstand verstärkt, denn hier plant der MIBRAG-Konzern sogar eine Tagebauerweiterung. Die Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“ lud dort das „Klimacamp Leipziger Land“ in ihr malerisches, im Prozess der Umsiedlung befindliches Dorf ein. Über 1000 Menschen folgten dem Aufruf und lebten 10 Tage lang Seite an Seite mit den Anwohnenden – man feierte ein Dorffest, es gab zahlreiche Bildungsveranstaltungen und auch ungehorsame Protestaktionen.

Mehr Informationen über das Bündnis, den Aufruf und Informationen zu den vom Abriss bedrohten Dörfern sind auf der Website www.alle-doerfer-bleiben.de zu finden.

Pressekontakte
Vom Braunkohle-Bergbau Betroffene:

Rheinland:
David Dresen (Kuckum): +49 1782334959
Birgit und Andreas Cichy (Wanlo): +49 2166-127228

Leipziger Land:
Jens Hausner (Pödelwitz): +49 342 9648912

Lausitz:
Karin Noack (Proschim): +49 151 58857609

Aus der Klimagerechtigkeitsbewegung:
Johanna Winter: +49 1578 4697207
Christopher Laumanns: +49 1577 3395845